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WELT.WEIT

Naturnahes Retreat

Vor dem Haus ein See, dahinter gleich der Wald. Das neue Retreat «Lake House» bei Berlin bietet Workshops, Achtsamkeitstraining und Yogastunden inmitten der Natur – in einem besonderen (Schweizer) Holzbau.

Text Susanne Lieber | Fotos Kkrom Dienstleistungen | Pläne Sigurd Larsen Design GmbH

 

Direkt am See auf einer Halbinsel gelegen, ist das «Lake House» nach Plänen des dänischen Architekten Sigurd Larsen entstanden. Das Sport- und Gesundheitsretreat besteht hierbei aus fünf nebeneinanderliegenden Gebäuden, die sich wie Finger aufspreizen und die jeweils an der Giebelseite verglast sind. So können Gäste aus jedem Haus wunderbare Ausblicke geniessen – nach vorne auf den See, nach hinten auf den Wald. Die Natur ist hier im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah.

Die Räumlichkeiten des Retreats werden für unterschiedliche Zwecke genutzt, seien es Coachings, Therapieanwendungen oder Tagungen. Auch der Aussenraum bietet den Gästen eine Vielzahl an Möglichkeiten. So können sie hier beispielsweise meditieren, aktiv Sport treiben oder an Workshops teilnehmen.


Fünf Häuser, fünf Funktionen

Die ineinander verschachtelten Häuser haben jeweils individuelle Funktionen und können separat genutzt werden. Das erste Haus beherbergt drei Gästeappartements auf zwei Ebenen. Im Gebäude nebenan befindet sich ein offener Küchenbereich, dem eine windgeschützte und nach Westen hin orientierte Terrasse vorgelagert ist. Vor allem in den Abendstunden bietet diese einen wunderbaren Aussensitzplatz mit Blick auf den See. Der mittlere Bau ist das Herzstück des Gebäudeensembles und gleichzeitig auch der höchste Bau mit besonders flexibler Nutzung. Ein freischwebender Kamin sorgt dort für gemütliches Ambiente, wobei der Raum nicht nur als einladender Treffpunkt dient, sondern auch für Ausstellungen oder Veranstaltungen genutzt werden kann. Der Küchen- sowie der Mittelbau verzahnen sich auf der Rückseite des Gebäudes (Richtung Wald) und bilden in ihrer Schnittmenge einen «Raum im Raum», der durch Schiebetüren und Vorhänge abgetrennt werden kann. Das vierte und kleinste Haus ist dem Thema Wellness gewidmet: Im Erdgeschoss befindet sich eine Sauna – natürlich wieder mit Blick auf den See –, im Obergeschoss ein Rückzugsraum zum Meditieren. Auf der Nordostseite wird das Gebäudeensemble abgeschlossen mit einem etwas grösseren Bau, der als Atelier- und Therapieraum dient.


Wie Kartenhäuser konstruiert

Alle fünf Gebäude sind zwar als klassische Giebelhäuser ausgebildet, ein klassisches Tragwerk liegt ihnen hier allerdings nicht zugrunde. «Das Dach funktioniert wie bei einem Kartenhaus», erklärt Philipp Forster von der Schweizer Künzli Davos AG, die bei diesem komplexen Bauprojekt involviert war. Jeweils zwei Dachflächen aus vorgefertigten Brettsperrholzelementen wurden gegeneinander gelehnt und zunächst mithilfe eines Krans zusammengehalten, um einen Giebel zu bilden. Dann wurden die Dach­elemente miteinander verbunden, sodass sie sich gegenseitig stabilisieren und ihre Last in die Wände abtragen. Das Dach steift sich demnach selbst aus. Die Giebelseiten bestehen jeweils aus einer verglasten Pfosten-Riegel-­Konstruktion, die ebenfalls statische Wirkung hat. An die rückseitigen Glasfassaden – also jene, die in Richtung Wald orientiert sind und in denen sich die Bäume entsprechend spiegeln – wurden gebäudehohe Naturstämme gesetzt, die das Dach zu tragen scheinen. Wobei sie keine statische Funktion haben, sondern lediglich als architektonisches Gestaltungsmittel dienen, um den Wald noch näher an den Bau heranzurücken.

Während das Dach und die Aussenwände quasi nahtlos mit Keramikschindeln bestückt sind, dominiert im Inneren der Gebäude Sichtholz. Wobei die Oberflächen lediglich mit einem UV-Schutz versehen wurden, was den natürlichen Charakter des Holzes aber nicht beeinflusst – und so auch im Innern eine Brücke zur Natur schlägt. Wie der gesamte Bau.
kuenzli-davos.ch, b-3.ch

Das Projekt – die Fakten

Projekt: Retreat am See, Berlin (DE)
Fertigstellung: 2024
Architektur und Innenarchitektur: Sigurd Larsen Design GmbH, Berlin
Landschaftsgestaltung: Sigurd Larsen Design GmbH, Berlin
Holzbauingenieur: B3 Kolb AG, Romanshorn (TG)
Holzbau und Fassade: Künzli Davos AG, Davos (GR)
Konstruktion/Tragwerk: Holzelemente aus Brettsperrholz, verglaste Pfosten-Riegel-Fassade
Holz: Weisstanne (mit UV-Schutz)
Grundfläche (GFA): 260 m2

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